KMUVALUE
Digitale Firmenwertermittlung

Wissenswertes zum Thema Unternehmensbewertung von A bis Z

Das neue Online-Tool zur digitalen Firmenwertermittlung KMUVALUE ist optimiert für den Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen. KMU weisen spezifische Besonderheiten auf, welche das Tool bereits berücksichtigt. Eine Unternehmensbewertung stellt sich als vielschichtiger Prozess dar und ist i.d.R. charakterisiert durch zahlreiche unternehmens- sowie branchenspezifische Besonderheiten und individuelle Sondereffekte. Nachfolgend stellen wir Ihnen eine Übersicht ausgewählter themenrelevanter Informationen zur Verfügung.










Online-Firmenwertermittlung mit KMUVALUE

Das neue Onlinetool zur digitalen Unternehmensbewertung KMUVALUE befindet sich in der ersten Testphase (Betaversion 1.3). Das Tool wurde speziell entwickelt für den Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Nutzen Sie die Möglichkeit, mit überschaubarem zeitlichem Aufwand eine Einschätzung Ihres individuellen Unternehmenswertes zu erhalten.* 

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*KMUVALUE ersetzt nicht die durch einen Gutachter im Rahmen wichtiger unternehmerischer Entscheidungen vorzunehmende Unternehmensbewertung, da individuelle Gegebenheiten und Sondereffekte nicht ausreichend abgebildet werden können.




A: Allgemeine Informationen zum Thema Unternehmensbewertung

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) weisen Besonderheiten auf, die KMUVALUE bei der Unternehmensbewertung bereits berücksichtigt. Es existieren zahlreiche Bewertungsmethoden für Unternehmen, das digitale Onlinetool KMUVALUE ist speziell entwickelt worden zur Firmenwertermittlung von kleinen und mittleren Unternehmen. KMU weisen diverse spezifische Besonderheiten auf, welche in der Berechnung des Firmenwertes berücksichtigt werden müssen. Hierunter fällt beispielsweise die Inhaberprägung, sie ist ein charakteristisches Beispiel für eine wesentlich beeinflussende Komponente bei der Firmenwertermittlung. Weitere wertbeeinflussende Faktoren bilden Merkmale wie Personenabhängigkeit, Kundenabhängigkeit, Lieferantenabhängigkeit, Produkt-/ Leistungsabhängigkeit, Finanzierung, sowie Verzahnung von Unternehmen und Privatsphäre, sowie sonstige betriebliche Risiken. Bestimmte KMU-spezifische Sondereffekte, beispielsweise im Hinblick auf die Inhaberprägung, werden bei der Online Firmenwertermittlung von KMUVALUE in der Berechnung implementiert. Unternehmen mit hoher Inhaberprägung sind häufig gekennzeichnet durch einen starken Einfluss der Eigentümer auf einzelne Funktionsbereiche, Leistungsbeziehungen zwischen Unternehmen und Eigentümer, wenige Anteilseigner sowie durch einen hohen zeitlichen Einsatz der Eigentümer. Unternehmen mit hoher Personenabhängigkeit sind oft gekennzeichnet durch einen starken Einfluss einzelner Personen in Schlüsselpositionen, Leistungsbeziehungen zwischen Unternehmen und einzelnen Personen, wenige Führungspersonen sowie einen hohen zeitlichen Einsatz bestimmter Schlüsselpersonen.


Ergänzend zu den üblichen betriebswirtschaftlichen Bewertungsstandards (z.B. IDW S 1 i. d. F. 2008) ist ein Standard für die Bewertung dieser mehrheitlichen Unternehmensgruppe KMU erforderlich, der die Besonderheiten dieser Unternehmensart ergänzend regelt. Die von der Steuerberaterkammer und dem IDW entwickelten Praxishinweise für KMU („IDW Praxishinweis zu Besonderheiten bei der Ermittlung eines objektivierten Unternehmenswerts kleiner und mittelgroßer Unternehmen (IDW Praxishinweis 1/2014“) berücksichtigen bereits eine Vielzahl von Besonderheiten, deren konkrete Anwendung bzw. Umsetzung aber weiterhin nicht geregelt sind. Der KMU-Standard – BVS-KMU/2017 baut auf den Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Theorie und Praxis, auf Teilen des IDW S 1 und dem IDW Praxishinweis 1/2014 sowie der Rechtsprechung auf. Der Standard regelt die in der Praxis bei der KMU-Bewertung auftretenden Bewertungsfragen zur Umsetzung der bestehenden betriebswirtschaftlichen Verfahren.





B: Besonderheiten von KMU, Bewertungsanlässe, Bewertungsmethoden, BVS Standpunkt KMU 11-2017

Besonderheiten von KMU – Kleine und mittlere Unternehmen

Die Bewertung von KMU stellt für den Bewerter immer wieder eine besondere Herausforderung dar. Folgende Besonderheiten ergeben sich häufig bei KMU:


•            Der Eigentümer ist gleichzeitig geschäftsführend für das Unternehmen tätig.

•            Der Eigentümer hält oft einen Großteil seines Vermögens im Unternehmen.

•            Der Eigentümer haftet ggf. persönlich.

•            Eine Unternehmensplanung liegt meist nicht vor.

•            Es bestehen oftmals starke Verflechtungen zwischen Unternehmens- und Privatsphäre, was die Übertragbarkeit des Unternehmens auf einen Dritten erschwert.



Die hier nicht abschließend aufgeführten Besonderheiten haben einen zum Teil erheblichen Einfluss auf den Unternehmenswert und müssen im Bewertungskalkül sachgerecht berücksichtigt werden. Voraussetzung für eine sachgerechte Unternehmensbewertung und Methodenwahl sowie zur Berücksichtigung bewertungstechnischer Besonderheiten, ist zunächst die richtige Abgrenzung des Bewertungsobjektes. Folgende weitere Kriterien, neben der Größe des Unternehmens, sollten im Rahmen der Unternehmensbewertung eines KMU durch den Bewerter besonders gewürdigt und sachgerecht überprüft werden:


•            Inhaberprägung 

•            Personenabhängigkeit des Unternehmens

•            Kundenabhängigkeit 

•            Lieferantenabhängigkeit

•            Produktions- und Leistungsangebot

•            Branchenabhängigkeit

•            Finanzierung / Kapitalmarktzugang

•            Übertragbarkeit des Unternehmens

•            Verzahnung Unternehmens- und Privatsphäre

•            Sonstige betriebliche Risiken

•            Standortbezogenheit



Regelmäßig wird es erforderlich sein, abzuschätzen, welche Vermögensgegenstände und Schulden konkret dem zu bewertenden Objekt zugerechnet werden können. Insbesondere bei dem Vorhandensein von Beteiligungsverhältnissen, ist eine sachgerechte Abgrenzung oft schwierig. Eine weitere wichtige Abgrenzung im Hinblick auf die Unternehmensbewertung und Methodenwahl bei KMU, ist die Abgrenzung zu den freiberuflich geprägten Unternehmen, da diese nach der modifizierten Ertragswertmethode zu bewerten sind.Freiberufliche Unternehmen (Steuerberaterpraxen, Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien, Architekturbüros u.a.) zeichnen sich i.d.R. durch eine geringe Größe (oft sind dies kleine Unternehmen mit weniger als 1 Mio. € Umsatz und weniger als 10 Mitarbeitern) sowie eine besonders hohe Inhaberabhängigkeit aufgrund der Berufsausbildung aus. Weiterhin sprechen für ein freiberufliches Unternehmen folgende Kriterien, die sich an § 18 I (1) EstG orientieren:


•            Oft Akademischer Abschluss / höhere Bildung des Inhabers

•            Oft hoher kreativer Anteil bei der Arbeit

•            Leistungserbringung ist überwiegend nicht gewerblich

•            Mitarbeiter sind oft als Aushilfen oder "Zuarbeiter" tätig 

•            Verdienstquelle besteht aus Wissen und Erfahrung auf hohem Nivea

•            Tätigkeit liegt im Bereich von Beratung, Coaching, Lehre oder Unterricht

•            Oft besonderes Vertrauensverhältnis zu den Kunden

•            Dienstleistung und der persönliche Einsatz stehen im Vordergrund

•            Bezahlung besteht aus Honoraren


Je nach Abgrenzung und Einordnung des Bewertungsobjektes sind Besonderheiten hinsichtlich der Methodenwahl in der jeweiligen Bewertungsmethode zu berücksichtigen.




Bewertungsanlässe

In der Bewertungslehre herrscht heute Einigkeit darüber, dass Unternehmensbewertungen anlassbezogen durchzuführen sind. D.h. bei der Wahl der Wertermittlungsmethode ist der jeweilige Anlass der Bewertung zu berücksichtigen. Während Unternehmensbewertungen in ihren Anfängen nahezu ausschließlich der Ermittlung von Kauf- bzw. Verkaufspreisen dienten, haben sich im Laufe der Jahrzehnte immer neue Bewertungsanlässe ergeben. Grundsätzlich werden die Anlässe für Unternehmensbewertungen nachfolgenden Kriterien unterschieden.


·        Unternehmensbewertungen aufgrund von unternehmerischen Initiativen

·        Unternehmensbewertung zum Zwecke der externen Rechnungslegung

·        Unternehmensbewertungen aufgrund von gesetzlichen Vorschriften

·        Unternehmensbewertungen aufgrund von vertraglichen Regelungen

·        Ein- und Austritt von Gesellschaftern bei Personengesellschaften /

·        Kauf oder Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft

·        Schenkungen, Erbauseinandersetzungen, Erbteilungen

·        Abfindungsfälle im Familienrecht

·        Schiedsgutachten

 



Bewertungsmethoden

Die in der Betriebswirtschaftslehre gängigsten Bewertungsmethoden sind:


·        Ertragswertverfahren

·        Discounted Cash Flow Verfahren

·        Substanzwertverfahren

·        Liquidationswertverfahren

·        Marktpreisorientierte Verfahren / Multiple Verfahren


In Deutschland hat sich das klassische Ertragswertverfahren, die Bewertungen zur Ermittlung von Substanzwerten bzw. Liquidationswerten und das mittlerweile auch durch die Rechtsprechung als vorzugswürdig angesehene modifizierte Ertragswertverfahren bei KMU durchgesetzt.

 



BVS Standpunkt KMU 11-2017

Der KMU-Standard – BVS-KMU/2017 baut auf den Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Theorie und Praxis, auf Teilen des IDW S 1 und dem IDW Praxishinweis 1/2014 sowie der Rechtsprechung auf. Der Standard regelt die in der Praxis bei der KMU-Bewertung auftretenden Bewertungsfragen zur Umsetzung der bestehenden betriebswirtschaftlichen Verfahren. Der Standard beschreibt nachvollziehbare Grundlagen bei der Bewertung von KMU. Er erfüllt gleichzeitig die Vorgaben des IfS – Empfehlungen zum Aufbau eines Sachverständigengutachtens – und setzt die in § 8 Abs. 3 SVO geforderten Maßgaben hinsichtlich der Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Systematik von Gutachten um.





 

D: Discounted Cash Flow Verfahren

Bei den Discounted Cashflow-Verfahren (DCF-Verfahren) wird der Unternehmenswert durch Diskontierung zukünftiger Zahlungsüberschüsse (Cashflows) ermittelt. Bei der Ermittlung des Diskontierungssatzes wird auf kapitalmarkttheoretische Modelle, i. A. auf das Capital Asset Pricing Model (CAPM), zurückgegriffen. Als Ergebnis der Unternehmensbewertung wird der Marktwert des Gesamtkapitals bzw. der auch als „Shareholder Value“ bezeichnete Marktwert des Eigenkapitals ermittelt.






E: Ergebniszeitraum, Ertragswertverfahren

Ergebniszeitraum

Der Ergebniszeitraum drückt aus, welchen Zeitraum ein Übernehmer des Unternehmens benötigt, um das durch den/die Übergeber des Unternehmens geschaffene Erfolgspotential durch die eigene Tätigkeit auf seine Person zu überführen, bzw. wie lange eine Reproduktion des zum Erwerb vorgesehenen Unternehmens an diesem Standort dauern würde. Für inhabergeprägte KMU werden i. d. R. zukünftige Ergebniszeiträume bis zu 10 Jahren angesetzt. Die besonderen Risiken eines KMJU haben einen Einfluss auf die Dauer des Ergebniszeitraums.



Ertragswertverfahren

Bei der Unternehmensbewertung hat sich vorrangig das Ertragswertverfahren durchgesetzt. Dabei gilt der Ertragswert als zukunftsorientierte Größe, die die zu erwartenden „Erträge“ unter Berücksichtigung des Barwerts der erwarteten Liquidationserlöse aus einer Veräußerung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens als Bewertungsgrundlage verwendet. Unter der Prämisse der unbegrenzten Lebensdauer des zu bewertenden Unternehmens werden aus den für die Zukunft geplanten Jahresergebnissen finanzielle Überschüsse abgeleitet, die an die Unternehmenseigner ausgeschüttet werden können. Die zu erwartenden Erträge werden entsprechend abgezinst, damit man den Wert dieser künftigen finanziellen Überschüsse, auf den Stichtag der Bewertung bezogen, beurteilen kann.






K: Kapitalisierungszins, KMU - Kleine und mittlere Unternehmen, KMUVALUE

Kapitalisiserungszins

Die finanziellen Überschüsse aus dem Unternehmen sind mit dem Kapitalisierungszinssatz auf den Bewertungsstichtag abzuzinsen. Der Kapitalisierungszinssatz repräsentiert die Rendite aus einer zur Investition in das zu bewertende Unternehmen adäquaten Alternativanlage und muss mit dem zu kapitalisierenden Zahlungsstrom hinsichtlich Fristigkeit, Risiko und Besteuerung vergleichbar sein. Den Ausgangspunkt für die Bestimmung der Rendite der Alternativanlage bildet die Rendite einer Anlage in Unternehmensanteile (Aktienportfolio). Aus den am Kapitalmarkt empirisch ermittelten Aktienrenditen sind üblicherweise mithilfe von Kapitalmarktpreisbildungsmodellen (CAPM, Tax-CAPM) Risikozinssätze abzuleiten. Dabei sind die Basiszinsen sowie die Marktrisikoprämie und das unternehmensspezifische Risiko (Beta-Faktor) abzuleiten.

 


KMU – Kleine und mittlere Unternehmen

Die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen in Deutschland lässt sich den KMU zuordnen. Die KMU stellen mit rund 99 % aller Unternehmen den Standardfall in der Unternehmenslandschaft dar. Eine einheitliche Definition für KMU, die für alle Anwendungsbereiche Gültigkeit hat, gibt es in Deutschland nicht. Auch im Hinblick auf den Bewertungszweck sind verschiedene Merkmale zur Abgrenzung der KMU denkbar. Von Bedeutung in Wissenschaft und Praxis ist die KMU-Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn und für die Gestaltung und Berechtigung der Inanspruchnahme von Fördermitteln durch KMU, die KMU-Definition der Europäischen Kommission. Bewertungspraktiker sollten sich an der KMU-Definition des IfM Bonn orientieren.  Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn definiert unabhängige Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten und weniger als 1 Million € Jahresumsatz als kleine Unternehmen und solche mit bis 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen €, die keine kleinen Unternehmen sind, als mittlere Unternehmen. Die Gesamtheit der KMU setzt sich somit aus allen unabhängigen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und weniger als 50 Millionen € Jahresumsatz zusammen.

 


KMUVALUE – Online Unternehmensbewertung

KMUVALUE ist ein digitales Onlinetool zur Firmenwertermittlung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Es liefert Ihnen eine erste fundierte Wertindikation sowie einen Überblick wesentlicher Einflussgrößen bei der Unternehmensbewertung. Die Online-Firmenwertermittlung KMUVALUE wird bereitgestellt durch die Butz Consult GmbH. Die kostenlose Online Firmenwertermittlung KMUVALUE wurde speziell entwickelt für kleine und mittlere Unternehmen.

 





L: Liquidationswertverfahren

Insbesondere bei negativer Fortführungsprognose kann der Barwert der finanziellen Überschüsse, die sich bei Liquidation des gesamten Unternehmens ergeben, den Fortführungswert übersteigen. In diesem Falle bildet grundsätzlich der Liquidationswert die Wertuntergrenze für den Unternehmenswert.Der Liquidationswert eines Unternehmens ist der Erlös, der bei Auflösung des Unternehmens und der Veräußerung aller Vermögensgegenstände erzielt werden kann. Dabei werden Einzelwerte ermittelt, die berücksichtigen, dass ein Dritter die Maschinen, die Betriebs- und Geschäftsausstattung, den Fuhrpark sowie das Vorratsvermögen ohne Gewährleistungsansprüche wie besichtigt ab Standort übernimmt. Bei der Bewertung der Aktiva sind in der Regel wesentliche Abschläge und bei der Bewertung der Passiva Zuschläge vorzunehmen. Die Ermittlung des Liquidationswerts hat i.d.R. unter Zerschlagungsgesichtspunkten zu erfolgen.

 





M: Marktpreisorientierte Verfahren / Multiple Verfahren, Modifiziertes Ertragswertverfahren

Marktpreisorientierte Verfahren / Multiple Verfahren

Im Rahmen der marktpreisorientierten Verfahren wird der Unternehmenswert mit Hilfe von Vergleichspreisen anderer Unternehmen bestimmt. Dabei kann im Wesentlichen zwischen den folgenden drei Ansätzen unterschieden werden:


•                      Multiplikatoren

•                      Anteilsverkäufe

•                      Börsenkurse


In der Bewertungspraxis werden bei Vorliegen von Marktpreisen bzw. Transaktionspreisen Multiplikatoren (oder Multiples) gebildet, die sich auf das zu bewertende Unternehmen anwenden lassen. In der Regel werden dabei Ertragsgrößen wie Umsatz oder EBIT herangezogen. Bei Anwendung von Multiples sind deren Herkunft und Übertragbarkeit zu prüfen und die Anwendung auf den Bewertungsfall zu begründen.

Aus diesen Gründen werden Bewertungen mit Hilfe von Multiplikatoren vor allem zur Plausibilisierung von mit anderen Bewertungsmethoden ermittelten Unternehmenswerten sowie zur Abgabe von Wertindikationen angewendet.



Modifiziertes Ertragswertverfahren

Bei der Bewertung von KMU sowie freiberuflichen Unternehmen ist das modifizierte Ertragswertverfahren aufgrund höchstrichterlicher Rechtsprechung als generell vorzugswürdig einzustufen.

Das modifizierte Ertragswertverfahren unterscheidet sich vom Ertragswertverfahren durch eine Begrenzung des Kapitalisierungszeitraums auf wenige Jahre (i.d.R. 1 – 10 Jahre) und eine daraus resultierende Notwendigkeit einer zusätzlichen Berücksichtigung des Substanzwertes. Der Wert eines KMU, das fortgeführt werden soll (Going-Concern-Prinzip), setzt sich somit nach dem modifizierten Ertragswertverfahren aus den beiden wesentlichen Komponenten Substanzwert (materieller Unternehmenswert) und ideellem Wert = Ertragswert (immaterieller Unternehmenswert) zum Bewertungsstichtag zusammen. Mit dem BVS-Standpunkt 11-2017 steht ein Standard zur Verfügung, der die Vorgehensweise detailliert beschreibt.






N: Nicht betriebsnotwendiges Vermögen

Nicht betriebsnotwendiges Vermögen ist bei der Ermittlung des Substanzwertes aus dem Anlageverzeichnis auszugliedern und gesondert zu bewerten. Beim nicht betriebsnotwendigen Vermögen handelt es sich um Vermögensteile, die frei veräußert werden können, ohne dass dadurch die eigentliche Unternehmensaufgabe berührt wird.Die Bewertung ist zum Liquidationswert vorzunehmen.






P: Planung der Zukunftsdaten

Eine Unternehmensbewertung nach dem Ertragswertverfahren basiert auf zukünftigen Erfolgswerten. Grundlage der Planung sind die zukünftig zu erwartenden Erträge.Bei den Prognoserechnungen wird zur Ermittlung des Unternehmenswerts auf die Zahlungsströme und die sich dabei ergebenden Überschüsse abgestellt. Bilanzielle Verschiedenheiten sind anzupassen. Planungsunterlagen des Unternehmens sollten nur dann verwendet werden, wenn sie zeitnah zum Bewertungsstichtag bzw. vor dem Bewertungsstichtag erstellt wurden. In der Regel werden bei KMU keine laufenden Planrechnungen erstellt. In diesen Fällen sind die Zukunftserfolgswerte aus den Vergangenheitswerten abzuleiten und plausibel zu schätzen. Hierbei sind bei den unterstellten Annahmen für die zukünftige Entwicklung z. B. für das zu erwartende Wachstum, die Erfahrungen der Vergangenheit zu berücksichtigen. Z. B. sind zukünftige Annahmen auf Basis von statistischen Branchendaten nur dann zu berücksichtigen, wenn sich das Unternehmen auch in der Vergangenheit wie der Branchendurchschnitt verhalten hat.






R: Risiken bei KMU

Voraussetzung für eine sachgerechte Unternehmensbewertung und Methodenwahl sowie zur Berücksichtigung bewertungstechnischer Besonderheiten, ist zunächst die richtige Abgrenzung des Bewertungsobjektes. Folgende weitere Kriterien, neben der Größe des Unternehmens, sollten im Rahmen der Unternehmensbewertung eines KMU durch den Bewerter besonders gewürdigt und sachgerecht überprüft werden:


•            Inhaberprägung 

•            Personenabhängigkeit des Unternehmens

•            Kundenabhängigkeit 

•            Lieferantenabhängigkeit

•            Produktions- und Leistungsangebot

•            Branchenabhängigkeit

•            Finanzierung / Kapitalmarktzugang

•            Übertragbarkeit des Unternehmens

•            Verzahnung Unternehmens- und Privatsphäre

•            Sonstige betriebliche Risiken

•            Standortbezogenheit






S: Steuern, Stichtagsprinzip, Substanzwertverfahren

Steuern

Bei der Planung der Erträge sind je nach Rechtsform die entsprechenden Ertragsteuern des Unternehmens anzusetzen. Dies kann auch in typisierter Form erfolgen.

Die persönlichen Steuern des privaten Investors sind ergebniswirksam zu erfassen. Hierbei kann bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften ein typisierter Einkommensteuersatz von 35 % zur Anwendung kommen. Die Gewerbesteueranrechnung ist zu berücksichtigen. Bei Kapitalgesellschaften ist die typisierte persönliche Ertragsteuer (25% zzgl. Solidaritätszuschlag) in Abzug zu bringen. In familienrechtlichen Verfahren ist die auf den fiktiven Veräußerungsgewinn entfallende latente Steuerbelastung als unvermeidbare Veräußerungskosten zusätzlich anzusetzen. Diese ist nach individuellen Steuersätzen zu berechnen. 

 


Stichtagsprinzip

Unternehmenswerte sind auf den Bewertungsstichtag zu ermitteln. Dieser kann sich beispielsweise durch Auftrag, durch gesetzliche Regelungen bestimmen.

Bei der Planung der Übertragung eines Unternehmens sollte stets ein Stichtag vereinbart werden, der valide Daten der Vergangenheit als Vorlage bietet. Die Festlegung eines nach dem Auftragsdatum liegenden Stichtags (z.B. Beauftragung im Mai eines Jahres mit Stichtag der Übertragung am Jahresende des gleichen Jahres) beinhaltet den Konflikt, dass der Zeitraum nach der Beauftragung bis zum Bewertungsstichtag bereits eine Prognose bedingt. Auf diesen Umstand ist im Gutachten hinzuweisen und die Grundlagen dieser Übergangsprognose zu begründen.

In die Bewertung dürfen nur Sachverhalte einfließen und künftige Entwicklungen berücksichtigt werden, die am Bewertungsstichtag bereits bekannt oder im Unternehmen angelegt waren (Wurzeltheorie).

 


Substanzwertverfahren

Der Substanzwert zeigt auf, welche materielle Substanz das Unternehmen besitzt und richtet sich am Anlagevermögen des Unternehmens aus. Dazu werden die Aktiva des Unternehmens anhand von Kriterien wie zum Beispiel deren Marktwert oder Wiederbeschaffungswert bewertet. Die Wertsumme der Aktiva wird um Rückstellungen und Verbindlichkeiten vermindert. Dies ist insbesondere dann relevant, wenn regelmäßig hohe stille Reserven oder stichtagsbedingte stille Lasten vorhanden sind. Als substanzerhöhend wirken sich die stillen Reserven aus, die dadurch entstehen, dass die Wirtschaftsgüter nach steuerlichen Kriterien, bedingt durch höhere Abschreibungen, niedriger bewertet werden als bei Anwendung betriebswirtschaftlicher Kriterien.

 

 

 

 

U: Unternehmerlohn

Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist in Höhe der Vergütung eines Fremdgeschäftsführers zu bemessen. Dieser kalkulatorische Unternehmerlohn ist rechtsformunabhängig zu ermitteln und anzupassen.Aufgrund der Gefahr einer subjektiv geprägten Einschätzung eines angemessenen Alternativlohns, ist auf eine objektive Vergleichsverdienstbasis abzustellen. Hierbei ist im Allgemeinen auf das Gehalt eines Fremdgeschäftsführers in einer vergleichbaren Tätigkeit abzustellen. Dies entspricht dem kalkulatorischen Unternehmerlohn, der in betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlichen Regelungen zur Anwendung kommt. Für das Familienrecht wurde hingegen der individualisierte Unternehmerlohn entwickelt. Die Höhe der Vergleichsvergütung wird durch das Anforderungsprofil der Tätigkeit in der Branche sowie durch die Region und den zeitlichen Umfang bestimmt. Unternehmensspezifische Kriterien sind einzelfallorientiert beim Vergütungsansatz einzubeziehen. Sie sind im Gutachten zu beschreiben und zu begründen.

 







Online-Firmenwertermittlung mit KMUVALUE

Das neue Onlinetool zur digitalen Unternehmensbewertung KMUVALUE befindet sich in der ersten Testphase (Betaversion 1.3). Das Tool wurde speziell entwickelt für den Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Nutzen Sie die Möglichkeit, mit überschaubarem zeitlichem Aufwand eine Einschätzung Ihres individuellen Unternehmenswertes zu erhalten.*  


Rechner starten




*KMUVALUE ersetzt nicht die durch einen Gutachter im Rahmen wichtiger unternehmerischer Entscheidungen vorzunehmende Unternehmensbewertung, da individuelle Gegebenheiten und Sondereffekte nicht ausreichend abgebildet werden können.






 
 
 
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